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Vorgeschichte bis zur ersten urkundlichen Erwähnung 823
wesentlich nach Prof. Staab im Buch „Der Jakobsberg“ Band 2

Eine genauere Erläuterung der vorurkundlichen Zeit und auch der Gründung von Ockenheim ist nur durch archäologische Funde aus der Römer-, Alemannen- und Merowingerzeit
(ca. 70 v. Chr. -751 n. Chr.) möglich. Doch sind bis jetzt keine für eine Aussage wesentliche hier gefunden oder bekannt geworden. Deshalb ist man auf Vergleiche mit anderen Orten der Region angewiesen.

Römerzeit

Im 4 Jahrhundert führte eine Römerstrasse durch Ockenheimer Gebiet.

 

Von Bad Kreuznach kommend mündete sie nahe Ingelheim in die Römerstrasse die von Mainz über Bingen nach Trier bzw. Köln führte. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Guido Olschowka (Historisches Ockenheim Band 1 S. 87) soll 1930 Philipp Jakobs Ochs I. im Obersten Gau Algesheimer Weg Steine der Römerstrasse gefunden haben.

 

Dies legt den Schluss nahe, dass die Streckenführung ungefähr dem heutigen Radweg vom Antonius-kapellchen (nahe dem Sportgelände) nach
Gau-Algesheim entsprach.

 

 

 

 

 

 

Gemarkung
Oberster Gau-Algesheimer Weg

 

 

 

Gründung von Ockenheim
Aufgrund von Bodenfunden in anderen –heim-Orten in Rheinhessen  wurde belegt, dass diese Siedlungen erst zwischen 500 - 700 entstanden sind.

Von der Namensform her, der Bildung aus einem Personennamen Ucco (Occo) und angehängtem -heim, ist die Entstehung eher in der ersten, als in der zweiten Hälfte der angesprochenen Periode von 500 bis 700 zu vermuten, Ucco beziehungsweise Occo (Hugo)gehört zu den selteneren, aber doch auch sonst bezeugten Personennamen der fränkischen Zeit.

Nachbildung einer fränkischen Siedlung, eine Arbeit einer 4. Grundschulklasse mit Schulleiter Klaus Völker

                       Puppe mit fränkischer Kleidung            original Teile eines fränkischen Kammes

Das Prümer Gut
Für das 9. Jahrhundert erlauben uns die Quellen einen ausgezeichneten Einblick in die Funktion Ockenheim im Rahmen der grundherrschaftlichen Organisation der Abtei Prüm, die uns dabei als ein agrarisch-gewerblicher »Großkonzern« entgegentritt. Im Jahre 823 haben die Mönche zwei Teile eines Morgens Land in Ockenheim ertauscht, wobei allem Anschein nach ein dort bereits vorhandener Besitz abgerundet werden sollte. Im Liber areus, eine Sammlung von Abschriften von Urkunden in Buchformat, entstanden im 11. und 12. jahrhundert, befindet sich in Folie 17b (Herstal, 823 Oktober 15) die älteste Erwähnung. Der Liber aureus liegt im Stadtarchiv Trier.

Übersetzung der Urkunde von Prof. Staab aus Der Jakobsberg Band II S. 175

Rand-Inskription: Urkunde des Herrn Kaisers Ludwig über den Tausch, den Abt Tankrad und Fulbert gemacht haben.

Überschrift: Urkunde, die Herr Kaiser Ludwig über jenen Tausch erließ, den Abt Tankrad und Fulbert gemacht haben.

Urkunde: Im Namen des Herrgotts und unseres Erlösers Jesu Christi, Ludwig, durch die Bestimmung der göttlichen Vorsehung erhabener Kaiser:
Wenn wir das, was die Getreuen unseres Reiches um ihres Vorteils willen tauschen, mit unseren Edikten bestätigen, so folgen wir kaiserlichem Brauch und wollen, dass es in Zukunft mit beständigster Rechtskraft bestehen bleibe.

Deshalb möge die Klugheit aller unserer Getreuen, der gegenwärtigen, wie der zukünftigen, wissen, dass ein ehrwürdiger Mann, der Abt Tankrad aus dem Kloster, das Prüm genannt wird und zu Ehren unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus erbaut ist, uns eröffnete, er habe mit einem Mann namens Fulbert über einige Güter zum Vorteil für beide Parteien einen Tauschvertrag abgeschlossen. Es gab also der vorgenannte ehrwürdige Mann Tankrad aus dem Vermögen des vorgenannten Klosters zugleich mit Zustimmung und Erlaubnis der Mönche, die dort leben, dem genannten Fulbert, damit er sie zu dauerndem Eigentum besitze, einige Güter, die im Wormsgau liegen in dem Dorf, das Flonheim genannt wird: zwei Hufen mit Häusern, Gebäuden, Land, Weinbergen, Wiesen, Wäldern, .Weiden, Zubehör, Zufahrt und Ausfahrt, beziehungsweise insoweit er sie in demselben Dorf als Vermögen des vorgenannten Klosters zur Zeit rechtmäßig und bekanntermaßen besitzt. Und anderer¬seits gab zum Ersatz für diese Güter der vorgenannte Fulbert aus seinem Eigentum dem vorgenannten Kloster und der ganzen Gemeinschaft, die dort durch die Zeiten Gott dient, einige Güter, die im gleichen Gau liegen: in dem Dorf, das Grolsheim genannt wird, eine Hufe und in einem andern Dorf, das Weiler heißt, eine Hufe und an einem dritten Ort, in dem Frei-Laubersheim genannten Dorf, einen Hof gleichermaßen, und an einem vierten Ort, in dem Dorf, dessen Name Ockenheim lautet, zwei Teile eines Morgens mit ihren Grenz- und Seitenmarkierungen; diese Güter aber mit Häusern, Gebäuden, Land; Weinbergen, Wiesen, Wäldern, Weiden, Zubehör, Zufahrt und Ausfahrt, beziehungsweise insoweit er sie an den vorgenannten Orten zur Zeit rechtmäßig und bekanntermaßen besitzt. Darüber, versicherte er, habe er zwei Tauschurkunden, die mit gleichem Inhalt niedergeschrieben und durch die Hände guter Männer bezeugt sind, zur Hand. Aber aus Gründen vollkommener Rechtssicherheit flehte er unsere Erhabenheit an, wir möchten diese Tauschdokumente nochmals mit einer Urkunde unserer Milde bestätigen.

Diese Wünsche wollten wir nicht ablehnen, sondern, wie wir es bei allen unseren Getreuen tun, die eine gerechte Bitte vorbringen, erkennt nun, dass wir auch diese gewährt und bestätigt haben. Also befehlen und bestimmen wir, dass was die eine Partei der anderen rechtmäßig und vernünftig übertragen hat, sie dieses fürderhin aufgrund unserer Urkunde mit beständigster Rechtskraft innehabe und besitze.

Und damit diese Urkunde in zukünftigen Zeiten unverbrüchliche Rechtskraft behalte und von allen leichter geglaubt und eingehalten werde, haben wir befohlen, dass sie mit dem Abdruck unseres Siegelrings bezeichnet werde.

Nach der Urkunde von 886 wurde einem gewissen Hartman aus dem Prümer Besitz in Ockenheim ein Salhof (Herrenhof) mit Haus, Scheuer, Speicher und Nebengebäuden, sowie den zugehörigen Äckern, Wingerten, auch den Wiesen- und Waldanteilen überlassen

Folie   83b und 84a   (Prüm, 886 Februar 26)

Abt Ansbald von Prüm und sein Konvent geben einem gewissen Hartmann genannte Besitzungen darunter Ockenheim des Klosters im Worms-, Einrieh-, Lahn- und Auelgau zusammen mit den von Hartmann dem Kloster übertragenen Gütern im Odan- und im Ahrgau prekarisch zu lebenslanger Nutznießung.

Ausschnitt  und Übersetzung der  Urkunde von 886

Im Prümer Urbar, einem Güterverzeichnis des Benediktinerklosters Prüm in der Eifel, wurden im Jahre 893 alle Rechte und Einkünfte aus den zahlreichen Besitzungen des Klosters dokumentiert.
Das Original entstand unter Abt Regino von Prüm und ist nicht überliefert. 1222 fertigte der Exabt Caesarius von Milendonk eine Abschrift an, die er mit eigenhändigen Ergänzungen und Kommentaren versehen hat. Der Umfang beträgt 57 Seiten, untergliedert in 118 Kapitel. Diese Bearbeitung ist erhalten im Landeshauptarchiv Kob-lenz.

Im Kapitel 117 lernen wir die abhängigen Höfe von Ockenheim kennen. Eine Beschreibung des  Salhofs fehlt darin, woraus sich schließen lässt, dass er weiterhin von dem erwähnten Hartman genutzt wurde.

Text im Prümer Urbar (kursiv) mit eingefügten Erläuterungen

In Ockenheim besaß Prüm 893 16 Servilmansen, (Eine Manse; lateinisch mancipium‚ Besitz, ist eine mittelalterliche Bezeichnung für eine unselbstständige landwirtschaftliche Erwerbseinheit (Hof oder Bauernstelle), die einem Herrenhof uder Salhof (curtem dominicalis) untergeordnet und diesem Abgaben pflichtig war. Eine Manse wird mit 40 Morgen a ca. 2500 qm gerechnet. Da die Größe eines Morgens auch wesentlich kleiner sein kann, kann man wohl annehmen, dass die Fläche  der 16 Mansen zwischen 80 und 100 ha lag)
Einen davon hatte Hunfrid, einen Ratar. Ein gewisser Facuit hatte vier. Jeder zahlte eine Fuhre Holz und eine Fuhre für die Weinberge, ein Huhn, zehn Eier, ein Lamm zum Johannstag (24. Juni) im Wert von zehn Denaren. Zwei Tage arbeiteten sie in den Weinbergen: einen beim Rebenschneiden, den anderen beim Umgraben. Pro Jahr leisteten sie zweimal 14 Nächte und bauten dreimal Zäune (glabas) um den Herrenhof. Zur Ernte und Heumahd stellten sie zwei Manzipien (Knechte), zur Weinlese eins. Jeder drosch fünf Scheffel Korn (Scheffel = Gefäß für 50l) (annona) und brachte sie nach Bingen. Je zwei brachten eine Fuhre Wein (Fuhre = Fuder = 800-900l) nach Bingen. Zusammen schickten sie ein Rind (bovem) in den Herrenhof. Fünf der 16 Servilmansen von Ockenheim zahlten ein Lamm zu je zehn Denaren. Den übrigen Dienst verrichteten sie wie die vorgenannten. Vier der 16 zahlten ein Lamm im Wert von zwölf Denaren, lieferten jedoch sonst alles wie die vorgenannten. Insgesamt gab es in Ockenheim Weinberge zu zwölf Fuhren (ca. 10.600 Liter Wein “.

Die Fläche des Prümer Gutes erscheint zunächst sehr groß. Im Vergleich mit der heutigen landwirtschaftlich genutzten Fläche von 327 ha hätte die Abtei Prüm fast ein Drittel davon in Besitz. Zu bedenken ist, dass damals die Zweifelderwirtschaft üblich war, so dass außer den Weinbergen und Wiesen Ackerland ein Jahr brach lag und auch durch die nicht ausreichende Bodenbearbeitung die Erträge wesentlich geringer waren. Die Bewohner selbst waren alle armen abhängigen Knechte
Die spätere Fürstabtei Prüm in Prüm (Eifel-Ardennen) wurde 721 von Bertrada der Älteren, der Urgroßmutter Karls des Großen gestiftet. Von dessen Eltern, Pippin dem Jüngeren und seiner Frau Bertrada der Jüngeren wurde die Abtei 752 mit Mönchen des Benediktinerordens besetzt und als Hauskloster der Karolinger neu gegründet. Der Besitz der Abtei war riesig und reichte vom Rhein bis zur Bretagne und in die Niederlande. Hun-derte Orte unter anderem in der Eifel und an der Ahr, auf dem Taunus, in der Umgebung von St. Goar, in Frankreich, Belgien und den Niederlanden sind im Güterverzeichnis der Abtei, dem Prümer Urbar, erstmals urkundlich erwähnt. Um den weitläufigen Besitz zu verwalten, waren der Abtei Prüm Vogteien und Filialklöster unterstellt. Ockenheim gehörte zu den Herren der Burg Rheinfels bei St. Goar (Grafen von Katzenelnbogen).

               Wappen der Abtei Prüm                                                          Burgruine Rheinfels

Ortsherrschaft
983 überträgt Kaiser Otto II. die gesamten noch verbliebenen königlichen Besitzungen und Rechte in und um Bingen an Erzbischof Willigis v. Mainz und bleibt bis 1798 dort mit der Ausnahme, dass 1462 Erzbischof Adolf von Mainz Ockenheim an den Markgrafen von Baden verpfändet und Erzbischof Dieter von Isenburg 1480 die Verpfändung einlöst.
Die Mainzer Kirchenprovinz um das Jahr 1000

Bis 1324 bestanden Eigenrechte von Grundherrn, die ihren Sitz außerhalb des Erzbistums hatten. Es selbst war in Verwaltungseinheiten eingeteilt:

9. Jahrhundert Ockenheim gehört zu Wormsgau
um 1250     steht Ockenheim unter adliger Vogtei
1379            beginnt die Herauslösung aus dem Landesverband des Rheingaues wegen öfterer
                      Verpfändungen
1401             zählt Ockenheim zum Amt Dromersheim
1423            gehört Ockenheim zum Amt Algesheim
1525            endgültige Trennung des Amtes Algesheim von Land Rheingau des Mainzer
                     Kurstaates